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Menschenbild

Menschenbild ist eine Metapher. Sie beschreibt die Vorstellung, die wir uns vom Wesen der Menschen machen. Alle Menschen haben immer ein Menschenbild. Es kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, es kann bewusst oder unbewusst sein. Jede pädagogische Theorie basiert auf einem Menschenbild, sei dies nun explizit beschrieben oder auch nur implizit vorhanden.

Das Menschenbild kann sich auf einzelne Menschen, eine Gruppe von Menschen oder auf den Menschen schlechthin beziehen. In unserem Kontext kann ein Lehrer ein Menschenbild von einem einzelnen Kind haben und auch ein Menschenbild von Kindern im Allgemeinen.

Klar ist aber in jedem Fall: Dieses innere Bild des menschlichen Wesens prägt unsere Wahrnehmung und steuert, meist unbewusst, unser Verhalten: Wer weiss, dass Kinder von selbst nichts lernen, weil sie faule Säcke sind, wird sein Lehrerverhalten danach ausrichten. Er wird den Kindern auftragen, was sie zu tun und zu lassen haben. Dies versetzt die Kinder in eine passive Haltung, die sich nach einiger Zeit zu genereller Lustlosigkeit erweitern kann. Eine derart desinteressierte Kinderschar bestätigt nun wieder das Menschenbild, dass Kinder von selbst nichts lernen. Wer Pygmalion, den griechischen Künstler kennt, könnte kontern: Die Welt ist so, wie wir sie sehen wollen. Oder: Jeder kriegt die Schüler, die er sich vorstellt. Die inneren Bilder werden nach aussen projiziert und werden Wirklichkeit. Der Mensch konstruiert sich seine Welt, indem seine inneren Bilder nach aussen projiziert die Kulissen abgeben, die er wieder als Welt, als Realtität, als Wahrheit „wahr“nimmt. Im oben dargestellten Schema eines negativen Menschenbildes entsteht also ein zirkulärer Pygmalioneffekt, eine zirkuläre self-fulfilling prophecy: What you get, is what you see!

negatives-menschenbild

Negatives Menschenbild

Wer hingegen davon ausgeht, dass Kinder gerne lernen und von Natur aus neugierige und soziale Wesen sind, wird den Kindern den dafür nötigen Raum geben und die Kinder gestalten lassen. Solch gelebte Partizipation wird Aktivität und Kooperation auslösen. So können die Kinder ihre Fähigkeiten voll entwickeln, Verantwortung übernehmen und optimistisch sein für weitere Lernerfahrung. Sie können nach Selbstwirksamkeitserfahrungen eine Selbstwirksamkeitserwartung entwickeln. Die Kinder werden folglich gerne lernen und neugierige und soziale Wesen sein, was wiederum das Menschbild bestärkt.

Positives Menschenbild

Positives Menschenbild

Auch hier erfüllt sich eine Prophezeihung, einfach unter umgekehrten Vorzeichen.
Alles klar?

Andreas Müller verweist mit Recht darauf, dass das Schlüsselwort für die Pädagogik das Vertrauen sein muss. Mit der Vertrauenskultur steht es aber nun in unseren Schule gerade nicht zum Besten.
„Sie gebärdet sich eher als Fluchtverhinderungssytem. Das manifestiert sich den vielfältigen Kontrollorgien. Prüfungen, Aufgabenkontrollen, unangemeldete Tests, Abfragerituale weisen auf ein schulisches Denkmuster: Lernende tun nur dann etwas, wenn man sie dazu zwingt. Und in der Tat: So ist es. Kontrolliert und misstrauisch beobachtet, muss sich der Lernende zu unkooperativem Verhalten geradezu ermutigt fühlen “ (Müller 2008, 94).