gleich zum inhalt springen

Austausch

„Menschliches Lernen vollzieht sich immer schon in der Gesellschaft, und gemeinschaftliche Aktivität bzw. gemeinschaftliches Handeln ist wahrscheinlich der bedeutsamste Verstärker.” (Spitzer 2007, 181)

Verbindungen im Gehirn reifen. Nacheinander werden unterschiedliche Areale im Gehirn besser erschlossen. Anfangs können nur einfache Strukturen verarbeitet werden. Nach und nach erschliesst sich Komplizierteres. Aus der Untersuchung von lernenden Netzwerken konnte festgestellt werden, dass ein solcher Aufbau Bedingung ist für eine höhere (geistige) Leistung. Aus einfacheren Sprachen bilden sich beispielsweise komplexere Sprachen mit einer eigenständigen Grammatik, wenn Kinder untereinander kommunizieren können. Erwachsene, die solch einfachen Sprachen ausgesetzt werden, verweilen darin, ohne sie tatsächlich weiterzuentwickeln (vgl. Spitzer 233-239). Kinder sind im Austausch untereinander also im hohen Masse dazu fähig, eigene komplexe (Sprach)System aufzubauen. Ein gegenseitiger Austausch, und zwar nicht nur von Kind zu Lehrperson, sondern von Kindern zu Kindern, ist deshalb eine entscheidende Gelingensbedingung für komplexes Lernen zu sein.

Menschen sind Gemeinschaftswesen. Unsere Lebensverhältnisse sind heutzutage so undurchschaubar, dass jemand ganz auf sich gestellt darin nicht überleben könnte. Unsere Kooperation bezieht sich sowohl auf den Austausch von Gütern als auch von Gedanken. Unsere geistige Nahrung beziehen wir aus aller Welt. Dieser Austausch wird in Zukunft noch mehr zunehmen. Die Fähigkeit, sich in die Gesellschaft zu integrieren, wird deshalb immer wichtiger und macht das Überleben erst möglich. Die Kooperation unter den Menschen ist nicht zufällig. Sie erwächst aus der Erkenntnis, dass wir aufeinander angewiesen sind (vgl. Spitzer 2007, 296-317).