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Freiheit eine Mogelpackung?

Ist Offener Unterricht keine Mogelpackung? Die Kinder müssen in der Schule nun einmal gewisse Dinge lernen, die vom Offenen Unterricht propagierte Freiheit existiert also eigentlich gar nicht.

Kinder, die in die Schule kommen, wollen lernen, auch das, was im Lehrplan steht. Die Idee der Mogelpackung suggeriert, dass die Kinder nicht lernen würden, wenn man sie denn machen liesse. Dahinter steht also ein Menschenbild eines nicht freiwillig lernenden und Leistung erbringenden Menschen. Dieses Menschenbild ist schlicht falsch. Für einen Pädagogen wirkt eine solche Aussage sogar zynisch und eine Auseinandersetzung mit den Grundhaltungen, Werten und dem Menschenbild wären dringend angesagt.

Natürlich geht es in der Schule um Schreiben, Lesen, Rechnen, etc – der Lehrplan gibt das ja auch klar vor und diese Vorgaben gelten natürlich auch für den Offenen Unterricht. Offenes Lernen ist aber nicht gleichzusetzen mit Beliebigkeit. Man kann nicht tun, was man will, sondern lernen was man will. Im Zentrum steht das Kind mit seinen Bedürfnissen und Emotionen. Wenn es nicht lernt, dann ist nicht Repression und Druck angesagt, sondern Verständnis, Vertrauen, Geduld und Zeit. Es geht um grösstmögliche Freiheit im Rahmen des Gegebenen.

Gehen wir aber davon aus, dass Kinder grundsätzlich lernen wollen, wenn sie in die Schule kommen, dann ist Offener Unterricht in keiner Form eine Mogelpackung. Die Kinder beschäftigen sich freiwillig und gerne mit den im Lehrplan vorgeschriebenen Inhalten, oder sie tun es nach einer Weile, weil andere es getan oder weil alle es jetzt getan haben. Die Lehrkraft hat auf dieses Lernklima einen grossen Einfluss und kann sowohl Inhalte einfliessen lassen, die die Kinder dann nach und nach aufnehmen, oder sie kann das Arbeits- und Lernverhalten zum Thema machen. Warum lernen wir eigentlich lesen schreiben rechnen, wozu ist das gut, wofür gibt es eigentlich eine Schule, warum müssen/dürfen alle Kinder in eine Schule, wie gut habe ich heute gearbeitet, was sind meine nächsten Ziele, etc.

Nein, Offener Unterricht ist garantiert keine Mogelpackung, sondern bietet den Kindern die Möglichkeit, ihre Grundfertigkeiten an für sie interessanten Themen, alleine oder mit Freunden, auf eigenen Wegen, zu erwerben. Das Wohlergehen und das Selbstvertrauen des Kindes steht im Zentrum der Pädagogik und nicht die Herstellung möglichst gut funktioniernder und nach dem Leistungsprinzip arbeitende Menschen.