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Rolle der Sozialerziehung

Den Schülerinnen und Schüler wird eine echte Mit- und Selbstbestimmung gewährt und vermehrt wird Verantwortung auf die Kinder übertragen. Neben dem Wissenserwerb gehören die Persönlichkeitsentwicklung und das soziale Lernen zur Schule. Werden Selbst- und Mitbestimmung nur phasenweise als Elemente des Schulunterrichts eingesetzt, ist es anzunehmen, dass diese erstmals als Kompensation gegenüber den fremdbestimmten Unterrichtsteilen eingesetzt werden. Die dabei entstehenden Machtkämpfe sind im Offenen Unterricht unmöglich. Durch die andersartige Beziehung der einzelnen Personen untereinander entsteht keine ‚Lehrer gegen Schüler’-Haltung, sondern die Lehrperson wird als Teil der Gruppe ins Klassengeschehen integriert. Dadurch erhält auch die Lehrperson ein anderes Bild auf die einzelnen Mitglieder der Klasse. Sie kann diese als individuelle Personen wahrnehmen, weil sie nicht mehr abhängig davon ist, dass die Gruppe mehr oder weniger auf ihre Impulse reagiert. Somit findet auch keine Bewertung der Reaktion auf ihre Handlungen statt.

Die radikale Individualisierung im Unterricht stellt dabei die Voraussetzung zu gemeinsamen und sozialem Handeln dar.

„Nur wem die eigene Person und das eigene Lernen transparent sind, der kann die Individualität und die Bedürfnisse des anderen in ihrer ganzen Differenziertheit und Komplexität erfassen und sich in ihn hineinversetzen. Genauso wie der Sinn des Wissenserwerbs dem Lernenden einsichtig sein muss, damit er effektiv lernen kann, genauso muss ihm die Notwendigkeit sozialer Regeln als Vereinbarung von Individuen einleuchten. Der Zwang, solche Regeln zu
finden, ergibt sich dabei durch den Wegfalls ihrer Vorgabe: die Klasse ist nun einmal zwangsläufig ein sozialer Raum, in dem sich Menschen begegnen und miteinander leben (müssen).” (ebd., 165)

In der Klasse gelten dabei basisdemokratische Grundregeln. Jede Person (auch die Lehrperson) hat eine Stimme und kann selbstständig eigene Abstimmungsbeiträge einbringen. Der ständige Austausch untereinander bildet dabei den Antrieb für das sachorientierte Lernen. (vgl. Peschel 2005a, 163-167)