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Dimensionen von Offenheit

„Heute forsche ich mit Franziska über Delfine weiter.“

„Heute erfinde ich mir ganz schwierige Malrechnungen.“

„Heute lese ich in Harry Potter weiter – sonst nichts.“

„Heute schreibe ich an meiner Geschichte über das Mandarinenmonster weiter.“

Falko Peschel beschreibt im Anschluss an Benner und Brügelmann ein mehrdimensionales Bestimmungsraster für die Öffnung von Unterricht, um zu zeigen, inwieweit im Unterricht der Regelschule ein offenes Lernen ermöglicht wird. Er gibt auch Anhaltspunkte, wie der Unterricht verändert werden könnte, damit sich der Grad des offenen Lernens erhöhen liesse. So wird  ein mehr Selbstbestimmung für die Schüler in Bezug auf ihr eigenes Lernen messbar.

Es können beliebige Lernformen in Bezug auf den Grad der Offenheit miteinander verglichen werden. Dabei geht es in nicht um eine Öffnung um der Offenheit willen, sondern der Bestimmungsraster soll dazu dienen, die Freiheitsgrade im eigenen Unterricht zu reflektieren und sich zu fragen, ob ein Mehr an Offenheit möglich oder gar nützlich wäre.

Dimension von Offenheit

Offen

Das Kind legt fest…

Geschlossen

Lehrkraft legt fest…

Organisatorische Offenheit

Inwieweit kann das Kind die Rahmen-bedingungen seiner Arbeit selbst bestimmen?

Ermöglichung ganz freier Zeiteinteilung, Orts- und Partnerwahl auf Dauer –

langfristige eigene Arbeitsvorhaben

…mit wem, wann und wo es arbeiten will.

Die Zeiteinteilung, die Orts- und die Partnerwahl wird durch die Lehrkraft bestimmt.

… mit wem, wann und wo das Kind zu arbeiten hat.

Methodische Offenheit

Inwieweit kann das Kind seinem eigenen Lernweg folgen?

Ermöglichung eigener „vordidaktischer“ Zugangsweisen/ Wege der Kinder:

Aufgaben werden auf unterschiedlichsten Niveaus/ mit unterschiedlichsten Zugangsweisen nebeneinander bearbeitet:

„freier Ausdruck“ ist grundlegendes Element.

wie es in einen lernbereich eintauchen will, welchen Weg es beschreiten will, wie es Inhalten bearbeiten, darstellen, umsetzen, üben will.

„Ich mache es so!“

Die Lehrkraft legt den methodischen Zugang, die Arbeits- und Lernformen und Darstellungs- und Umsetzungsformen fest.

… wie ein Thema angegangen, bearbeitet, vertieft, geübt, dargestellt und abgeschlossen wird.

„Du machst es so!“

Inhaltliche Offenheit

Inwieweit kann das Kind seine Lerninhalte selbst bestimmen?

Ermöglichung überfachlicher eigener Arbeitsvorhaben.

(Mathematik, Sprache und Sachthemen neben- und ineinander)

… was es lernen und erarbeiten will.

„Ich mache das!“

Die Lehrkraft legt die Inhalte fest und gibt konkrete fachlich begrenzte Aufgaben vor.

… wer was arbeitet, welche Themen behandelt werden.

„Du machst das!“

Soziale Offenheit

Inwieweit kann das Kind in der Klasse mitbestimmen über Unterrichtsablauf und Regeln des Zusammenlebens und -arbeitens?

Selbstregulierung der Klasse.

Die Kinder legen gemeinsam fest, wie sie dieses Problem lösen wollen, welche Regeln sinnvoll sind, wie die Gemeinsamkeiten eines Schullebens zu organisieren sind.

Die Lehrkraft gibt die Verhaltensregeln bekannt und überwacht deren Einhaltung.

… wie gemeinsam gearbeitet wird und bestimmt die Regeln.

„Das darfst du nicht!

Du musst so!“

Persönliche Offenheit

Inwieweit besteht zwischen Lehrkraft und Kind bzw. unter den Kindern ein positives Beziehungsklima?

Auf Gleich- berechtigung abzielende überschulische Beziehung.

Hierarchische „Beziehung“.

Begründung der Beziehung durch Alter oder Rollen-/ Gruppenhierarchie.

Eine schrittweise Öffnung hin zu offenem Unterricht ist möglich. Peschel unterteilt jede der oben genannte Dimensionen in sechs Stufen von 0 (geschlossen) bis 5 (offen) mit entsprechenden Zwischenschritten. Das detallierte Bestimmungsraster finden Sie unter

http://offener-unterricht.net/ou/start-offu.php?action=rast1